Im alten Indien, am Geierberg, lebte der als „Erster an Weisheit“ bekannte Schüler Sariputra. Seine Geschichte beginnt in dieser Überlieferung nicht mit göttlicher Verehrung, sondern mit einer beharrlichen menschlichen Suche nach Wahrheit.
Sariputra entstammte einer angesehenen Brahmanenfamilie und zeigte schon als junger Mensch außergewöhnlichen Verstand. Weltliches Wissen konnte seine innere Sehnsucht jedoch nicht erfüllen. Mit seinem engen Freund Maudgalyayana vereinbarte er: Wer zuerst den Weg zur endgültigen Befreiung fände, sollte den anderen sofort benachrichtigen.
Eine zufällige Begegnung mit einem Mönch auf der Straße wurde zum Wendepunkt. Dessen ruhiges Auftreten und der Vers, den er vortrug, wirkten auf Sariputra wie eine Tempelglocke. Der Vers besagte, dass der Tathagata die Ursachen jener Erscheinungen erklärt hat, die aus Ursachen entstehen. Diese einfache Unterweisung über bedingtes Entstehen ließ in der Erzählung Sariputras langjährige Zweifel nachlassen. Er erkannte, dass nichts unabhängig zufällig oder dauerhaft besteht, sondern alles in Veränderung begriffen ist.
Nach dem Eintritt in die Sangha des Buddha wurde Sariputra sowohl als Verkörperung von Weisheit als auch als Vorbild der Bescheidenheit geschätzt. Obwohl er zu den führenden Schülern gehörte, soll er still Meditationsräume gereinigt haben, damit andere ungestört praktizieren konnten. Seine Weisheit wird hier mit einem ruhigen See verglichen: ohne scharfe Kanten, offen für die Verwirrung fühlender Wesen und zu stiller Orientierung bereit.
Sariputras Leben veranschaulicht in dieser Betrachtung den Gedanken, dass Weisheit Täuschung durchschaut. Wahre Weisheit besteht dabei nicht darin, Streitgespräche zu gewinnen, sondern die Wirklichkeit zu betrachten und daraus grenzenloses Mitgefühl für alle zu entwickeln.
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